Wohnzimmer Einrichten Online Planer

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“Ihr wollt echt nach Venedig? In diese Touristenhölle?” Viele Bekannte schütteln den Kopf, wenn ich von unseren Reiseplänen erzähle. Natürlich will ich nach Venedig – immer und immer wieder. Ich habe in Florenz und Rom gewohnt, viele andere italienische Regionen bereist. Aber kein Ort zieht mich so sehr in den Bann wie die Lagunenstadt.

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Hier gibt es keine Autos, kein nerviges Gehupe, nur Boote, die über blaugrüne Kanäle schippern. Ob allein, mit Freunden oder mit Familie: Jedes Mal aufs Neue spaziere ich verzaubert treppauf, treppab über die unzähligen Brücken, verliere mich in den Gassen zwischen bonbonfarbenen Häusern, lasse mir am breiten Giudecca-Kanal den Wind um die Nase pusten.

Wie überlaufen die Stadt ist, hängt auch von den Jahreszeiten ab. Den Karneval habe ich mir noch nie angetan. Aber ich war vielfach in den vollsten Monaten dort, also im Frühjahr und im heißen Sommer.

Ruhiger wird es im Herbst und im Winter. Venedig mit Nebel, mit spiegelnden Pfützen, ein bisschen Hochwasser – das hat seinen ganz eigenen Reiz. Und wenn dann plötzlich die blasse Sonne über den Kanälen blinzelt, weiß man, dass man in der schönsten Stadt Italiens zu Besuch ist.

Ob man Venedig liebt oder hasst, ist meiner Meinung nach vor allem eine Frage von Organisation und Timing. Hier sind acht Tipps für einen entspannten Besuch:

Tipp 1: Die schönste Aussicht genießen

Viele Touristen drängen sich vor dem Campanile, dem berühmten Glockenturm auf dem Markusplatz. Dabei ist es viel schlauer, seinen Zwilling zu besteigen: den Turm der Kirche San Giorgio Maggiore. Er sieht fast identisch aus mit seinen roten Backsteinen, dem weißen Glockengeschoss und dem grünen Spitzdach. Doch er liegt auf dem Inselchen San Giorgio Maggiore auf der anderen Seite des Giudecca-Kanals.

Ich benötige nur eine kurze Überfahrt mit Vaporetto (Wasserbus) Nummer 2, um die Massen hinter mir zu lassen. Am Eingang zum Glockenturm verkauft ein Benediktinermönch Tickets, ein altmodischer Aufzug zuckelt zur Aussichtsplattform. Dort ist mein Blick sogar noch besser als vom “Original” aus: Ich schaue schließlich von außen hinüber zum Dogenpalast, zum Markusplatz und auf die Mündung des Canal Grande.

Tipp 2: Selbst Gondoliere spielen

Endlich darf ich selbst ans Ruder – dank der Non-Profit-Organisation “Row Venice”. Die wurde von einer Gruppe Venezianerinnen gegründet, die ihre Freizeit am liebsten auf dem Wasser verbringen. Jetzt zeigen sie mir und anderen Besuchern, wie die venezianische voga alla veneta funktioniert, also das Rudern im Stehen.

Im 90-minütigen Crashkurs benutzen wir allerdings keine schwarze Gondel, sondern eine traditionelle Holz-batela, auf die bis zu fünf Gäste passen. Freiwillige vor! Zwei Ruderer müssen das Gefährt nämlich durch die romantischen Kanäle des Cannaregio-Viertels dirigieren, und dann hinaus in die Lagune.

Tipp 3: Die Schlange vor dem Markusdom vermeiden

Es ist mir ein Rätsel: Warum stehen Menschen vor dem Markusdom stundenlang in der Schlange? Natürlich sollte sich niemand einen Besuch entgehen lassen. San Marco ist eine der prächtigsten Kirchen der Welt. Alle Wände sind von goldenen Mosaiken überzogen, bis in die höchste Kuppel hinauf. Ich fühle mich dort, als würde ich in einer reich verzierten Schatzschatulle umherspazieren.

Aber niemand muss mit den Massen warten, um diese Pracht zu sehen. Zwischen April und November bietet die Kirche einen Skip-the-line-Service an, mit dem man zu einem reservierten Zeitpunkt direkt in die Kirche marschieren darf. Das geht bequem online und kostet nur drei Euro.

Tipp 4: Schlemmen zwischen Einheimischen

Die besten Tische der Trattoria La Palanca stehen direkt an der Kaimauer. Wer nicht aufpasst, plumpst in den breiten Giudecca-Kanal. Aber eigentlich will ich hier eh nur stillsitzen und die Aussicht auf die venezianische Altstadt genießen – und natürlich das Essen! La Palanca ist ein kleiner, bodenständiger Familienbetrieb, der auf der ruhigeren Giudecca-Insel liegt.

Besitzer Andrea Barina wuselt zwischen den Tischen herum, behandelt die Touristen ebenso freundlich wie seine vielen Stammgäste. Wozu er rät? Natürlich zu seinen Fischgerichten! Zur Vorspeise gibt’s beispielsweise Crostini mit der traditionellen Stockfischcreme Baccalà mantecato. Lecker sind auch die Spaghetti mit rabenschwarzer Seppia-Sauce und das Thunfisch-Filet mit Sesam und Balsamico.

Warm gekocht wird bei La Palanca nur mittags. Aber die Bar ist bis abends geöffnet. Dann bestelle ich den einheimischen Spritz al Select, der mit einem rubinroten Traditionslikör gemixt wird.

Tipp 5: Ein bisschen vorausplanen

Natürlich will ich mich in Venedig treiben lassen. Trotzdem hat es sich immer gelohnt, ein paar Dinge schon im Voraus zu planen: Tickets für Verkehrsmittel zum Beispiel oder Reservierungen für Topsehenswürdigkeiten neben dem Markusdom, die ich unbedingt besuchen will. Oder ich mache Abstecher in unbekanntere Kirchen und Museen: Die sind oft überraschend leer – und wunderschön.

Bustickets vom Flughafen Marco Polo nach Venedig (Piazzale Roma) gibt es hier, Tickets für das Linienschiff (Alilaguna) vom Flughafen in die Altstadt hier, Tickets für die Vaporetti, die Wasserbusse, innerhalb Venedigs, hier. Auch wenn die Fahrkarten teuer sind, kaufe ich mir sie oft gleich für einen, zwei oder drei Tage. Dann kann ich immer spontan in die Boote springen. Wer mit dem Auto anreist, kann einen Platz im Parkhaus am Piazzale Roma reservieren. Gerade im Sommer ist es oft voll.

Tickets für den Dogenpalast gibt es hier. Am liebsten gehe ich gleich am Morgen hin, kurz vor Schließung oder mittags, wenn die großen Gruppen irgendwo mit Essen beschäftigt sind. Auch Karten für das Peggy-Guggenheim-Museums und die Accademia und Reservierungen für den Markusdom sind online erhältlich.

Tipp 6: Authentische Plätze suchen

Campo Ghetto Nuovo: Stiller Platz zwischen Synagogen

Der Markusplatz ist prächtig – aber nur gleich am Morgen oder nach Sonnenuntergang. Tagsüber herrscht oft ein heftiges Gedränge. Dabei gibt es so viele andere wundervolle Plätze – sie nennen sich in Venedig nicht “Piazza”, sondern ganz bescheiden “Campo”, also “Feld”.

Der weitläufige Campo Santa Margherita liegt im Studentenviertel Dorsoduro – und ist das erweiterte Wohnzimmer der Einheimischen. Am frühen Abend halten Rentner hier ihr Schwätzchen, Kinder spielen Fußball, und in den vielen Tavernen werden die Tische nach draußen gestellt. Außerdem lockt mich hier die Eisdiele Il Doge.

Eines der romantischsten Viertel ist Cannaregio, die Heimat der jüdischen Venezianer. Mitten drin: der stille Campo Ghetto Novo mit seinen Bäumen, Bänken und bonbonfarbenen Häusern. Rund um den Platz liegen drei Synagogen. Ich schlendere meist bis zum Kanal um die Ecke, dort kann ich schon den Duft der traditionellen Kaffeerösterei Torrefazione Cannaregio riechen. Die Kaffeemischungen sind ein tolles Mitbringsel – und natürlich bestelle ich auch gleich ein Tässchen.

Wer’s kuschelig mag, stoppt gern auf dem kleinen Campo Santa Maria dei Miracoli. Hier treffen sich die Bewohner des hübschen Stadtviertel Castello. Weitläufiger ist der nahe gelegene Campo Santa Maria Formosa mit vielen Cafés und kleinen Geschäften.

Tipp 7: Spaß haben als Sparfuchs

Ganz klar, Venedig ist ein teures Pflaster. Aber ich versuche, mit ein paar Tricks Geld zu sparen:

Tipp 8: Sich mit den Einheimischen gut stellen

Bei jedem Urlaubstag in Venedig ist mir klar: Ich bin Teil eines Problems. Die Einheimischen leiden unter uns vielen Touristen. Wohnungen sind fast unerschwinglich geworden, Handwerker und “normale” Geschäfte verschwinden. Und viele Besucher lärmen nachts in den schmalen Gassen, versperren den Durchgang auf Brücken, um dort ihr Eis zu lecken. Im Vaporetto rammen sie Umstehenden ihre Rucksäcke ins Gesicht und rempeln, bis sie einen fototauglichen Platz ergattert haben.

Meine Erfahrung ist: Wer sich rücksichtsvoll durch die Stadt bewegt, ist auch im überfüllten Venedig weiterhin willkommen. Ein Schwätzchen hier, ein Lächeln da – auch das trägt dazu bei, dass man den Aufenthalt in der Lagunenstadt genießen kann.

Im Video: Ausverkauf eines Juwels? – Wie der Tourismus Venedig bedroht

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